Musik bei Demenzerkrankung

Musik bei Demenzerkrankung kann eine hohe Wirkung erzielen. Hochaktive Bereiche des Gehirns sind der Lage, komplexe Bewegungsabläufe und Erinnerungen abzurufen. Das Kurz- und Langzeitgedächtnis sowie Fähigkeiten werden mit Musik verbessert. Welche Lieder sich eignen und was eine Musiktherapie bewirken kann, haben wir hier zusammengefasst.

Wie beeinflusst Musik die Demenzerkrankung?

Musik bei Demenzerkrankung hat sich als wichtiges und wohltuendes Hilfsmittel herauskristallisiert. Lieder und Töne nehmen eine große Rolle bei der Pflege von Demenzkranken ein. Menschen mit Demenz blühen auf, wirken lebendiger und selbst Erinnerungen werden wach. Musik erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit, das Voranschreiten einer Demenz aufzuhalten. In der Neurowissenschaft beobachtet man dieses Phänomen seit Jahren. Die positive Beeinflussung von Musik ist dabei zwei hochaktiven Bereichen im Gehirn zuzuordnen, die selbst bei fortgeschrittener Demenz am längsten und größtenteils erhalten bleiben. In diesen Hirnregionen werden sogar komplexe Bewegungsabläufe und Erlebnisse abgerufen. So ist selbst das Erlernen eines Instruments mit einer Demenzerkrankung möglich.

Musik ist im Allgemeinen dafür bekannt, die Stimmung aufzuhellen und unter Umständen soziale Kontakte beim gemeinsamen Singen aufrechtzuerhalten. In Bezug auf Demenzerkrankte hilft Musik außerdem den Stresspegel zu reduzieren, das Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis, die Mundmotorik sowie die Orientierungsfähigkeit zu verbessern.

Handelt es sich um spezielle Musik?

Musik hilft in jeder Hinsicht bei einer Demenzerkrankung. Dessen Wirkung kann positiv beeinflussen, wenn der Musikstil, wie auch Lieblingslieder des Erkrankten bekannt sind. Eine große Hilfe dafür bieten nahestehende Angehörige. Auch kann der passende Musikstil anhand von Proben und der Reaktion des Erkrankten herausgefunden werden.

Je nach Fortschritt der Demenzerkrankung bringt Musik aus den 60er- oder 70er-Jahren mit deutschen Liedtexten große Freude. Dazu gehören Lieder bekannter Sänger wie von Udo Jürgens, Trude Herr, Connie Francis, Karel Gott oder Heintje.

Bei bereits fortgeschrittener Demenz erzielen bekannte Volkslieder eine große Wirkung. Unter anderem:

  • Bruder Jakob
  • Der Kuckuck und der Esel
  • Ein Männlein steht im Walde
  • Auf der Mauer auf der Lauer
  • Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald
  • Kommt ein Vogel geflogen
  • Hänschen klein
  • Auf einem Baum ein Kuckuck
  • O du lieber Augustin

Wenn die Sprache bei Demenzkranken geht, bleiben dennoch Gefühle. So sollte Musik immer in einer bestimmten Beziehung zum Erkrankten stehen. Musik gilt in jedem Fall als Kommunikationsmittel und stillt das menschliche Grundbedürfnis des Patienten.

Wirkt eine Musiktherapie auch vorbeugend?

Musizieren, ob singend oder mit einem Instrument kann einer Demenz vorbeugen. Denn Musik machen und Musikhören gehören zu den anspruchsvollsten und wirkungsvollsten Freizeitaktivitäten. Während des Musizierens werden unterschiedliche Muskelgruppen aktiviert und die Körperwahrnehmung gefördert. Sinneszellen der Haut, Gelenke, Augen und des Gehörs werden bei jeder Bewegung miteinbezogen und gefordert. Wer musiziert, betreibt Gehirnjogging auf hohem Niveau und wirkt aktiv einer Demenz entgegen.

Besonders wirkungsvoll ist das Singen im Chor. Dort kommen einige Menschen zusammen, die gemeinsam singen, Liedtexte erlernen und sich dem Liedrhythmus anpassen. Auch wenn es keine verpflichtende Aktivität ist, entsteht ein wenig Druck. Das regelmäßige Üben und Lernen der Liedtexte fördert die vorhandenen Fähigkeiten und hält die Gehirnzellen fit.

Musik kann bei einer Demenzerkrankung auch vorbeugende Eigenschaften mitbringen. So werden beispielsweise Wanderlieder als Sturzprävention einsetzt. Denn während des Singens werden Bewegungsabläufe ausgeführt, die zusätzlich das Gleichgewicht trainieren.

Wie sollte die Musiktherapie im Zuge einer Demenzerkrankung aussehen?

Sprechen wir von einer Musiktherapie bei einer Demenzerkrankung, meinen wir die Durchführung von Musikpädagogik. In der Fachsprache wird dieser Begriff in Musikgeragogik umgewandelt; bestehend aus den Begriffen Pädagogik, Kind (pais) sowie Greis (geron). Denn die übliche Musikpädagogik ist bei Demenzerkrankten nur schwer möglich.

In der Musiktherapie werden alle Personen im Stuhlkreis miteinbezogen. Hierfür gibt es einen Gruppenanleiter, der anfängt zu singen. Begleitet werden können Lieder mit rhythmischen Klängen aus der Musikanlage oder mit dem Spielen eigener Instrumente. Für das Musizieren eignen sich Volkslieder, die jeder Demenzerkrankte aus früheren Lebenszeiten kennt und eine Beziehung dazu hat. Jede Musiktherapie sollte Lieder der vergangenen Therapien enthalten und darauf aufbauen. Das kann mit dem Lernen neuer Strophen sowie mit Instrumenten geschehen.

Es sollte keinesfalls für Patienten Pflicht sein, mitzusingen. Manche Demenzerkrankte lauschen lieber erst den Klängen oder brauchen je nach Krankheitsgrad etwas Zeit. Um alle Möglichkeiten von Musik auszuschöpfen, bietet sich eine wöchentliche Musiktherapie im gleichen Rhythmus (Tag und Uhrzeit) an. Die Musiktherapie bringt Demenzkranken besonderen Spaß und Fortschritte. Anhand fester Struktur können sich alle Patienten schon auf das nächste Mal freuen.

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Adriano Pierobon

Adriano Pierobon

Mit der Maxime „Das Denken im Nutzen“ einer der Pioniere für die Dienstleistung der häuslichen Rund um die Uhr Pflege in Deutschland. Seit über 30 Jahren!
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