Pflegefall in der Familie

Lt. Statistischem Bundesamt wurden 2015 von ca. 2,9 Millionen Pflegebedürftigen, die über eine Pflegestufe verfügen, 2,08 Millionen Menschen zu Hause versorgt. Davon 1,38 Millionen durch Angehörige. Diese Zahlen belegen, der größte Pflegedienst in der Bundesrepublik ist immer noch die Familie. In knapp zwei Drittel der Fälle handelt es sich bei den Pflegenden um den Ehepartner, meist sind dies Frauen. Einen geringen Teil der Pflegenden nehmen die Kinder ein. Doch steigende Lebenserwartung und abnehmende Kinderzahlen, sowie eine berufliche Mobilität bedingen, dass für die längere Pflege von Familienmitgliedern immer weniger Angehörige zur Verfügung stehen. Die Großfamilie, in der mehrere Generationen zusammenleben, findet man heute nur noch im einstelligen Prozentbereich.

Pflegefall in der Familie

Rückblickend auf die letzten vier Jahrzehnte lässt sich eher ein Auseinanderentwickeln der Generationen beobachten. Die Kinder leben und arbeiten oft Hunderte von Kilometern von dem Wohnort ihrer Eltern oder Großeltern entfernt, wechselseitige Besuche finden selten statt. Die jeweiligen Generationen führen ein eigenes Leben. Diese Auseinanderentwicklung führt natürlich auch ungewollt zu einer gewissen Entfremdung. „Intimität auf Abstand“ wäre vielleicht eine treffende Definition. Parallel zu dieser Entwicklung hat auch der normative Druck auf die Kinder abgenommen. Die Pflege der Eltern oder Schwiegereltern stellt heute keine Selbstverständlichkeit mehr dar. Diese persönlichen Freiheiten rächen sich aber spätestens dann, wenn nicht im Vorfeld gemeinsam über das Ausmaß einer möglichen Hilfeleistung im Pflegefall gesprochen wird. Anstatt Normen stehen dann im Pflegefall auf beiden Seiten Fragen offen. Bei dem betroffenen Elternteil besteht z.B. oft Unklarheit darüber, was sie von ihren Kindern erwarten können, bzw. was diese zu leisten bereit sind oder leisten können. Bei den Kindern hingegen kann sich ebei einem Pflegefall in der Familie eine gewisse Ratlosigkeit einstellen, da keine klaren Regeln für die Unterstützung der Eltern im Pflegefall festgelegt wurden und die beste Lösung nur auf Vermutungen basiert.

Es ist menschlich, dass man die Möglichkeit zum Pflegefall in der Familie zu werden verdrängt. Doch was ist, wenn der Pflegefall in Familien wirklich eintritt und Altenbetreuung benötigt wird? Sprechen sie mit ihren Familienangehörigen rechtzeitig über dieses Lebensrisiko. Reden sie über ihre Vorstellungen, Wünsche und Möglichkeiten. Halten sie diese schriftlich fest. Als Grundlage für weitere Entscheidungen wird ihnen dies im Falle eines Falles eine wichtige Orientierung sein.

Adriano Pierobon

Adriano Pierobon

Mit der Maxime „Das Denken im Nutzen“ einer der Pioniere für die Dienstleistung der häuslichen Rund um die Uhr Pflege in Deutschland. Seit über 30 Jahren!
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