Alte Menschen und Medikamente, Schmerzmittel, Teil 9

Alte Menschen und Medikamente, Schmerzmittel, Teil 9

PRISCUS-Reihe: Schmerz- und entzündungslindernde Medikamente

Rund 1,5 Milliarden Menschen leiden weltweit an chronischen Schmerzen. Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente schaffen Linderung und zählen zu den am häufigsten eingesetzten Medikamenten überhaupt.

Fortschreitendes Alter bringt ganz automatisch den Verschleiß des Körpers mit sich. Besonders in den Knien und Hüften treten Beschwerden auf, da einen Großteil des Gewichts auf den Gelenken lastet. Der Knorpel, der die Gelenke schützen soll, hat sich bei Senioren im Laufe des Lebens abgenutzt. Schmerzhafte Folgen sind dann häufig rheumatische Erkrankungen wie Arthrose. Ist der Schutz des Knorpels nicht gewährt, reiben die Knochen aufeinander und das führt zusätzlich zu Entzündungen.

Wie wirken solche Medikamente?

Wenn die Gelenke beginnen zu schmerzen, führt das zu unüberwindbaren Hindernissen im Alltag wie beispielsweise das Schuheanziehen. Um Abhilfe zu schaffen, gibt es Medikamente mit unterschiedlichen Ansätzen. So wirken sogenannte nichtopioide Schmerzmittel direkt vor Ort und bewirken, dass der Botenstoff Prostaglandin nicht mehr hergestellt wird, der sonst Schmerzsignale an das Gehirn sendet. Die Folge ist: Der Schmerz „verschwindet“. Bekannte Stoffe, die auf diese Weise den Schmerz hemmen, verringern oder verschwinden lassen, sind Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol.

Der zweite Ansatz der Schmerzlinderung ist die Beeinflussung des zentralen Nervensystems bei der Schmerzverarbeitung. Sie erfolgt durch opioide Schmerzmittel, Verwandte des Morphins oder Morphiums. Die Opioide binden sich an die Rezeptoren im Körper, die sich im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) und im peripheren Nervensystem (Nervenzellen außerhalb des Rückenmarks) befinden. Opioide sind die stärksten Schmerzmittel. Sie sind schwierig zu dosieren und werden nur bei besonders starken Schmerzen eingesetzt.

Worin liegen die Schwierigkeiten bei der Einnahme dieser Schmerzmittel bei Probleme älteren Menschen?

Grundsätzlich vertragen Senioren Medikamente eher schlechter als jüngere Menschen. Die Ausscheidung der Schadstoffe durch die Niere erfolgt nicht mehr so schnell wie früher, Medikamente bleiben länger im Körper und können Wechsel- und Nebenwirkungen hervorrufen. Auch die Gruppe der schmerz- und entzündungshemmenden Mittel ist nicht frei von Nebenwirkungen. Besonders im Magen- und im Darmtrakt kann es zu Blutungen kommen. Auch der Anstieg des Blutdrucks und Wassereinlagerungen sind keine Seltenheit, die besonders Menschen mit einem schwachen Herzen betreffen.

Bei Opiaten ist das Augenmerk auf die Dosierung gerichtet. Bekannte Nebenwirkungen sind Benommenheit und die Beeinträchtigung der geistigen Fähigkeiten. Deshalb ist bei Anwendung eine strenge Überwachung unumgänglich. Besondere Sorgfalt ist bei Pethidin geboten, da das Medikament die Sturzgefahr erhöht.

Welche Alternativen gibt es?

Schmerz- und Entzündungsmittel gehören zu einer großen Arzneimittelgruppe, zu denen es eine Vielzahl an Alternativen gibt. So verweisen viele Fachzeitschriften auf Listen mit natürlichen Schmerzmitteln, die keine schädlichen Nebenwirkungen haben. So können Naturgewächse wie die Teufelskralle, Weidenrinde und Arnika schon gute Alternativen zu Aspirin und Co. sein.

Weitere Informationen zur Priscus-Liste und kostenlose Bestellung unter: https://www.bundesregierung.de/Content/Infomaterial/BMBF/Medikamente_im_Alter_pdf_1742.html

 

Wirkstoff Eingesetzt bei Nebenwirkungen Alternative Wirkstoffe
Indometacin

Acemetacin

Ketoprofen

Phenylbutazon

Piroxicam

Meloxizam

Etoricoxib

Schmerzen, Entzündungen Erhöhtes Risiko von Blutungen im Magen oder Darm im zunehmenden Alter Paracetamol

 

Andere nicht steroidale Antirheumatika (z.B.Ibuprofen, Diclofenac)

 

Metamizol (nach sorgfältiger Nutzen-Risiko- Abwägung)

 

Schwach wirksame Opioide (z.B. Tramadol, Codein)

Pethidin Starken bis stärksten Schmerzen Bei älteren Menschen erhöhtes Risiko von Benommenheit und deliranten Zuständen

 

Erhöhte Sturzgefahr

Andere Opioide mit geringerem Risiko deliranter Zustände (z.B. Tilidin/Naloxon, Morphin, Oxycodon, Buprenorphin, Hydromorphon)