Zur Ruhe kommen:  Kurze Pausen sind für pflegende Angehörige unverzichtbar

Zur Ruhe kommen: Kurze Pausen sind für pflegende Angehörige unverzichtbar

Als Kinder umsorgten und pflegten Ihre Eltern Sie mit viel Liebe und Fürsorge, wenn Sie krank waren. Nun stehen Sie mit beiden Beinen fest im Leben, haben selbst schon erwachsene Kinder und vielleicht einen Partner oder Partnerin, der Sie liebevoll unterstützt. Schneller als man denkt, können Eltern, Partner oder eigenen Kinder zu einem Pflegefall werden. Da Sie Ihre Liebsten nicht im Stich lassen wollen, versuchen die meisten die Pflege selbst zu übernehmen. Damit sind sie mit 4,7 Millionen pflegenden Angehörigen in bester Gesellschaft.

Die Belastung steigt

Andere zu pflegen, bedeutet eine seelische und körperliche Herausforderung für jeden. Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der R + V Versicherung, haben heute rund 10 Millionen Menschen einen Pflegefall in der Familie. Die Prognosen deuten in den nächsten zehn Jahren auf ein Wachstum bis zu 27 Millionen hin.

Da Pflegende oft selbst oftmals zu kurz kommen und sich zu wenige Auszeiten gönnen, geraten sie schnell an ihre Grenzen. Um einen Zusammenbruch zu verhindern, ist es wichtig Ruhephasen für sich selbst einzuplanen. Verabreden Sie sich mit sich selbst. Denn erst, wenn Sie erholt und mit sich im Reinen sind, sind Sie wieder belastbarer und können sich wieder auf ihren pflegebedürftigen Angehörigen konzentrieren. 

Momente, die entscheidend sind

Zehn bis 30 Minuten am Tag nur für sich selbst reichen, um dem Kopf Ruhe zu gönnen und Energie zu tanken. Unsere Tipps können Ihnen zu mehr Stabilität verhelfen:

  1. Kopfhörer auf und Lieblingsmusik an

Schalten Sie Ihren Sound an, mit dem Sie richtig entspannen können. Egal, ob Rock oder Klassik, Hauptsache Sie kommen für einen kurzen Moment zur Ruhe und auf andere Gedanken. Ihr Stresshormonspiegel sinkt dann wieder.

  1. Bewusste Muskelentspannung

Progressive Muskelrelaxation, klingt wie ein Zungenbrecher, hilft aber, um den psychischen Druck abzubauen. Das gezieltes An – und Entspannen der Muskeln einzelner Körperbereiche sorgt für mehr Leichtigkeit. Diverse geführte Übungsvideos finden Sie dazu auch im Internet und viele Krankenkassen bieten kostengünstige Kurse an.

  1. Ätherische Öle

Ätherische Öle wie Lavendel sorgen für Entspannung. Ihre beruhigende Wirkung können Sie in der Badewanne spüren oder Sie stellen sich eine Duftlampe ins Zimmer.  Genießen Sie die Ruhe, schließen Sie Ihre Augen und atmen Sie tief und langsam ein und aus.

  1. Qigong für zu Hause

Etwas Platz findet sich in jedem Flur oder Wohnzimmer. Versuchen Sie sich wie eine Weide im Wind zu bewegen. Dies ist nur eine der vielen Übungen der chinesischen Meditationstechnik. Die  bewussten Bewegungen werden mit einer langsamen Atmung kombiniert und führen, wenn Sie sich 10 Minuten täglich dafür Zeit nehmen, zu mehr Gelassenheit. Auch für diese Entspannungsübungen finden Sie viele Anleitungen im Internet oder Kurse bei Ihrer Krankenkasse.

  1. Ein kurzer Plausch am Telefon

Ist heute nicht Ihr Tag? Oftmals hilft schon eine vertraute Stimme am Telefon, um sich aus einem emotionalen Tief zu retten. Für einen kurzen Moment ist der oft schwierige Alltag vergessen und die Stimmung steigt.

Nutzen Sie das Angebot der Verhinderungspflege

Wenn Sie als pflegender Angehöriger in den Urlaub fahren wollen oder eine Auszeit von der Pflege brauchen, ist die Verhinderungspflege sicher etwas für Sie. Die Krankenkassen übernehmen dann anteilig die Kosten (Kurzzeitpflege) ihres pflegebedürftigen Angehörigen und finanzieren sie auch zu gewissen Teilen. Welche Möglichkeiten es für Sie gibt, eine bezahlte Auszeit zu nehmen, können Sie hier nachlesen:

https://www.humanis-pflege.de/leistungen/verhinderungspflege/

Adriano Pierobon Gerontologe vom bundesweiten Pflegedienst HUMANIS rät: ,,Schaffen Sie sich Ihre Ruheinseln am Tag und sorgen Sie dafür, dass Sie für einen kurzen Moment nur für sich sein können. Es hilft auch, Dinge zu tun, die Ihnen besondere Freude bereiten: wie ein Stück Obstkuchen essen, Mandalas auszumalen oder im Garten Unkraut zupfen. Hauptsache Sie denken an etwas anderes und auch an sich.“